Dass eine gewisse Rollenspiel-Reihe mit dem Titel “Might & Magic” seit beinahe 20 Jahren Fantasy-Fans auf der ganzen Welt verzaubert, ist nichts Neues. Seitdem Entwickler Ubisoft die Franchise Rechte 2003 aufgekauft hat, ist eine Menge passiert, mehrere Teile haben sowohl fĂŒr Konsole als auch PC das Licht der Spiele-Welt erblickt und mit Might & Magic Clash of Heroessoll nun endgĂŒltig auch die iPhones und iPads in den Bann von Ashan gezogen werden. Ob das gelingt und was es mit dem Namen im letzten Satz auf sich hat, der ein bisschen nach dem Namen der Dönerbude um die Ecke klingt, lest ihr in unserem Test!

-b1-Einige von euch haben Clash of Heroes sicher schon auf Playstation 3 oder Xbox 360 gezockt und werden sich dementsprechend schnell zurechtfinden, da die iOS-Version mit diesen ziemlich identisch ist und nur zum Beispiel um einen Mehrspieler-Modus erweitert wurde. FĂŒr diejenigen, die bei Ashan an Bollywood und Bauchtanz denken, sei die Story im Folgenden kurz zusammengefasst: eigentlich wĂ€re das Land Ashan ein idyllisches Reiseziel fĂŒr den nĂ€chsten Urlaub. Man lebt in Einklang und Harmonie miteinander, wobei kleinere Konflikte mit den Nekromanten im SĂŒden dem unaufmerksamen Blick des Touristen sowieso verborgen blieben. Der wĂŒrde sich ohnehin an der Schönheit der Elfen in den WĂ€ldern Irollands nicht sattsehen können, seinen Augen angesichts der prunkvollen PalĂ€ste im Reich der Greifen nicht trauen und den Zaubereren der SilberstĂ€dte ehrfĂŒrchtig bei der Arbeit zusehen. Blöd nur, dass sich alle Jubeljahre eine verhĂ€ngnisvolle Mondfinsternis ĂŒber Ashan ereignet. VerhĂ€ngnisvoll deshalb, weil dann alle DĂ€monen aus Sheogh einfach so mir nichts dir nichts in die Welt der Lebenden spazieren und Terror machen können. In einem dieser Kriege bastelte jemand Findiges dann das sogenannte Schwert des Bindens zusammen, das dem TrĂ€ger die Macht verleiht, die DĂ€monen seinem Willen zu unterwerfen. Eines Tages ĂŒberfĂ€llt einer der scheußlichen Kreaturen das Lager von Elfin Anwen, tötet ihren Vater und ihr Freunde und VerbĂŒndeten und reißt die Klinge an sich. Nun liegt es an euch, die drohende Katastrophe abzuwenden und die DĂ€monen daran zu hindern, die Welt an sich zu reißen.
-b2-Das Spiel ist praktisch eingeteilt in Rollenspielabschnitte und rundenbasierte KĂ€mpfe. WĂ€hrend der RPG-Abschnitte bewegt ihr euch leider nicht frei, sondern ĂŒber vorgegebene Wegpunkte in der geheimnisvollen Welt umher, sprecht mit verschiedenen Wesen, nehmt neue Charaktere in eure Gemeinschaft auf und AuftrĂ€ge an. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch ganz klar auf den KĂ€mpfen, die Schritt fĂŒr Schritt durch sehr umfangreiche Tutorials erklĂ€rt werden. Werdet ihr in eine Auseinandersetzung verwickelt, soll heißen ein Gegner stellt sich euch in den Weg, wechselt das Spiel in den Gefechtsmodus. In diesem ist der Bildschirm in “oben” und “unten” aufgeteilt. Die Einheiten des Gegners stehen den euren gegenĂŒber. Nun liegt es an euch, Runde um Runde eure Figuren so zu platzieren, dass entweder Angriffs- oder Abwehrformationen entstehen. Das funktioniert, indem ihr drei gleiche Einheiten hintereinander fĂŒr eine Attacke oder nebeneinander fĂŒr eine Verteidigungsaktion aufstellt – ein bisschen Match-3-Puzzle-mĂ€ĂŸig. Dies geschieht durch das Verschieben von der dem Entfernen von Einheiten, die zwischen einer “Reihe” stehen. Das Ganze erinnert stark an den Puzzler “Diamond Dash”. Nach Ablauf der benötigten Rundenfrist, die von Einheit zu Einheit variiert, greifen Einheiten in ihren Angriffsformationen an und kĂ€mpfen sich gleichermaßen durch Verteidigungsanlagen als auch gegnerische Einheiten, vorausgesetzt, eure Angriffspunkte reichen aus. Im Idealfall stoßen die tapferen Soldaten, Hirsche, BĂ€ren, Elfen und so weiter bis zur “Grundlinie” des Gegners durch, die den Helden des Kontrahenten reprĂ€sentiert, und verringert so seine Lebensenergie. Ist diese bei null, habt ihr die Schlacht gewonnen.
-b3-Im Laufe des Spiels gesellen sich dermaßen viele verschiedene Einheitentypen zu eurer Armee, dass die taktischen Möglichkeiten um ein Vielfaches erweitert werden. Eliteeinheiten bringen neue Formationstypen mit sich und kombiniert ihr mehrere Angriffsreihen gleicher Farbe erhaltet ihr einen Angriffsbonus. Nach jedem Kampf erhĂ€lt eure Heldenfigur Erfahrungspunkte zum Hochleveln der Einheiten und ein bisschen Taschengeld, von dem ihr euch im Shop Eliteeinheiten zulegen könnt – alternativ geht dies auch via IAP. Und diese Spezialeinheiten haben nĂŒtzliche FĂ€higkeiten – so ĂŒberspringt der Hirsch zum Beispiel leichtfĂŒĂŸig und grazil eine Angriffsreihe des Gegners und attackiert die dahinterliegende. FĂŒr taktische Tiefe ist zu GenĂŒge gesorgt, all das macht richtig Laune und sorgt fĂŒr spannende Gefechte! Im Kampf-Modus abseits der Kampagne könnt ihr entweder in Online-Schlachten gegen einen realen Gegner oder offline am gleichen GerĂ€t gegen einen Kumpel antreten.

-b4-Im Prinzip handelt es sich bei der iOS-Version von “Might & Magic Clash of Heroesum die schon von Xbox-Arcade und PSN bekannte Version und sieht in ihrer Art als asiatisch angehauchtes 2D-Rollenspiel recht gut aus. Das Charakterdesign ist rundum gelungen und sprĂŒht nur so vor phantasiereicher OriginalitĂ€t, noch besser haben uns aber die handgemalten Umgebungen gefallen. Bei so viel Liebe zum Detail lĂ€sst man sich gern auf die Spielwelt und ihre Bewohner ein, kann sich richtiggehend in der AtmosphĂ€re verlieren. Hier hat Ubisoft solide Arbeit geleistet.
Der Sound ist in Ordnung, haut aber niemanden vom Hocker. Die Musik untermalt das Geschehen stets auf angemessene Art und Weise und reißt einen in den Gefechten mit, Dialoge laufen beinahe uneingeschrĂ€nkt in Form von Textboxen ab. Das ist Standard und daher völlig ok.

-b5-Die Steuerung ist eigentlich gut gelungen. Ihr bewegt euch (leider) nicht frei im Spiel, sondern indem ihr auf den Wegpunkt eurer Wahl drĂŒckt und sprecht mit am Wegrand verteilten Charakteren per Tap auf eingeblendete Fragezeichen. Die Krux liegt in den KĂ€mpfen, denn hier kommt es immer wieder zu ungewollten Eingaben, gerade auf den kleinen Bildschirmen der iPhones. Dann sind ratz-fatz wichtige Zugpunkte weg, die ihr anderswo besser hĂ€ttet einsetzen können. Eine Korrigier-Funktion wĂ€re hier wĂŒnschenswert gewesen, spielt man aber langsam und bedĂ€chtig, halten sich solche Aussetzer in Grenzen.

Might & Magic Clash of Heroesist ein solides Puzzle-Rollenspiel mit kleinen SchwĂ€chen, dass durch liebevoll ausgearbeitete, wenn auch klischeebehaftete Fantasy-Charaktere genauso wie durch das zwar einerseits einsteigerfreundliche, aber auch fĂŒr Kenner genug taktischen Tiefgang bietende Kampsystem punkten kann. DarĂŒber hinaus sehen die handgemalten Umgebungen einfach hinreißend aus und das Gameplay tröstet locker ĂŒber die etwas kindliche und vorhersehbare Story hinweg.