Site Skin Ad
Site Skin Ad
Site Skin Ad
SpecialVeröffentlicht am 15.08.22 um 14:24h | 0 Kommentare

Die Evolution mobiler Videospiele

Zocken, wann und wo immer es sein mag: Spiele auf dem Smartphone machen es möglich. Das Handy ist mittlerweile die beliebteste Gamingplattform für die rund 34,4 Millionen Bewohner Deutschlands, die sich gelegentlich oder regelmäßig mit Videospielen unterhalten. Entsprechend wächst die Zahl der Spieleapps, die dank immer höherer Auflösung, hochwertigem Sound und schneller Bildübertragungsraten sogar die Umsetzung von epischen Konsolenspielen als leicht abgespeckte Handy-Variante erlauben.

Allzu verwunderlich ist das nicht: Games und Mobiltelefone gehörten von Anfang an zusammen. Auch wenn die ersten Spiele noch klobig und pixelig und die Handys alles andere als smart waren, Hits waren sie dennoch.

Für Technologiebegeisterte und Spieler war dabei 1997 ein einschneidendes Jahr. Nicht nur, dass Siemens mit dem S10 das erste Mobiltelefon mit Farbdisplay auf den Markt brachte, bei dem weiß, rot, blau und grün statt nur schwarz und weiß dargestellt wurden, Nokia brachte 1997 sein bekanntestes Spiel heraus, das auf den meisten Handys des schwedischen Hersteller bereits vorinstalliert war. Bei “Snake” gingen die Zocker auf dem Bildschirm auf Schlangenjagd, um das Reptil zu füttern, ohne dass die virtuelle Schlange sich in den Schwanz biss. Erschwert wurde das noch durch die Bedienung. Es gab nämlich lediglich die stinknormalen Telefontasten, und der Sound bestand nur in quietschen Piepstönen. Der Begeisterung für “Snake” tat das jedoch keinerlei Abbruch.

Das galt in sogar noch größerem Maße für “Snake II”, das 2000 gemeinsam mit dem Nokia 3310 zum Riesenerfolg wurde. Das neue Modell bot nicht nur ein verbessertes Spieleerlebnis, sondern hatte auch die Fähigkeit, drei SMS-Texte mit bis zu 459 Zeichen statt der bis dato schon als erstaunlich geltenden 160 Zeichen anzeigen zu können. Fünf monochrome Displayzeilen auf dem Bildschirm machten das möglich. Das kleine Display brachte es damals auf 84 x 84 Pixel – im heutigen Vergleich, wo HD mit 1280 x 720 Pixeln schon die bescheidenste Version und Full HD mit 1920 x 1080 Pixeln längst nicht mehr für die Oberklasse der Smartphones reserviert ist, waren das Steinzeit-Ergebnisse.

Das allererste Mobile-Game der Welt war eine Version von Tetris. Bei dem puzzleartigen Spiel fallen farbige Klötzchen von oben nach unten und müssen in 90 Grad-Schritten gedreht und von der Mitte nach links oder rechts verschoben werden, um am unteren Rand möglichst lückenlose horizontale Reihen zu bilden. Der japanische Nintendo hatte die Rechte an dem 1984 von einem sowjetischen Computerwissenschaftler erfundenen Spiel erworben und Tetris 1989 zusammen mit dem ersten Game-Boy unter die Leute gebracht. Die Handy-Version, die anfangs nur auf dem Hagenuk MT-2000 vorinstalliert war, eroberte ebenfalls rasch die Herzen der Fans. Manche Zocker liebten das Spiel sogar ein bisschen zu sehr. 2002 brachte es gar einem Briten eine viermonatige Gefängnisstrafe ein. Er hatte auf seinem Handy im Flugzeug “Tetris” gespielt und sich selbst nach mehrfacher Mahnung geweigert, damit aufhören. Sobald das Flugzeug gelandet war, klickten wegen Gefährdung des Flugzeugs die Handschellen.

Bei aller Konkurrenz durch die stetig wachsende Spieleauswahl ist “Tetris” bis heute einer der größten Verkaufshits aller Zeiten unter den Videogames. Die Version von EA liegt mit rund 100 Millionen verkauften Einheiten auf Platz 3 der ewigen Bestsellerliste. Nur “Minecraft” und “Grand Theft Auto V” haben noch mehr Abnehmer gefunden. Die Ergebnisse von “Snake” können sich ebenfalls sehen lassen. Obwohl das Spiel nur auf Nokia-Handys verfügbar war, wurden insgesamt von den Mobiltelefonen rund 400 Millionen Geräte verkauft, obwohl nicht bekannt ist, wie viele der Besitzer “Snake” gespielt haben.

Die Entwicklung der Mobilspiele war stets eng an die technologischen Fortschritte beim Handy geknüpft. Ein Bildschirm, der groß genug ist, um Einzelheiten sehen zu können und zudem eine hohe Auflösung besitzt, ließ noch einige Zeit auf sich warten. Die Dateneingabe war ebenfalls anfangs ein Hindernis, weil Maus und Controller nicht so einfach auf kleinstem Raum zu ersetzen waren. Hinzu kam der Speicherplatz. Die Chips eines modernen Handys können es inzwischen mit etlichen PC aufnehmen und zusätzliche Speicherkarten können locker mehrere 100 Gigabytes an Speicherplatz umfassen. Hinzu kommt ein ausgeklügelter Sound, der es mit PC und Konsolen aufnehmen kann.

Doch bis dahin war der Weg mühsam. Es war eine Sache, ein Spiel wie “Tetris” auf dem Handy spielbar zu machen. Echtgeld Poker oder “Candy Crush Saga” brauchten schon deutlich mehr technische Voraussetzungen, und um “Fortnite” oder “Clash of Clans” für das Telefon umsetzen zu können, wurden noch höhere Anforderungen an das Innenleben der Handys gestellt.

Eine bedeutende Rolle kommt dabei dem iPhone zu. Mit dem ersten Smartphone-Modell 2009 bahnte Apple anderen Herstellern und vor allem App-Entwicklern den Weg. Zu den ersten Hits gehört das noch immer in diversen Ausführungen weltweit erfolgreiche “Angry Birds”, bei dem wütende Vögel auf die Verstecke von Schweinen geschossen werden. Drei Jahre später war die Technologie so weit, dass Zocker bei dem MMO-Strategiespiel “Clash of Clans” ein Dorf aufbauen, Truppen trainieren und vor allem gegen andere Spieler antreten konnten.

Ein Meilenspiel im Mobile Gaming ging 2016 erneut auf das Konto von Nintendo. Mit “Pokémon Go” lösten die japanischen Entwickler einen wahren App-Boom aus und fanden binnen Monaten Millionen von Fans weltweit. Die Spielidee war simpel. Mittels des Handy-Bildschirms mussten die kleinen Monsterchen entdeckt und gefangen werden. Doch um sie zu finden, wurde augmentierte Realität eingesetzt, die an wirklichen Orten wie Parks und Städten die Pokémon visuell hinzufügten. Die größten (und wohlhabendsten) Fans wurden zu Jetsettern, um möglichst alle Pokémon in dem Spiel zu sammeln.



Augmentierte Realität ist heute aus der Spielewelt auf dem Handy nicht mehr wegzudenken.

Die Zeiten, als jedes Spiel nur eine Plattform hatte, sind ebenfalls vorbei. Als eines der ersten Cross-Plattform-Spiele gilt das 2018 erschienene “Fortnite”. Der Survival-Shooter, bei dem die Spieler über einer Karte abgesetzt werden, um auf dieser Ausrüstung und Ressourcen zu finden und sich gegen Feinde zur mehr zu setzen, bis nur noch einer überlebt, konnte bald genauso auf dem Smartphone und dem Tablet wie auf dem Computer und der Konsole gezockt werden.

Dass Handy-Games so gut wie jederzeit und überall gezockt werden können, ist nur ein Aspekt, der ihnen die Spitzenposition als Gaming-Plattform eingebracht hat. Weil so gut wie jeder ohnehin ein Handy besitzt, fallen dafür keine Extrakosten an. Die meisten App-Games können kostenlos installiert werden oder werden zu einem geringen Preis angeboten.

Zudem ist die Auswahl schier endlos. Von schnellen Gelegenheitsspielen, die in wenigen Minuten gezockt sind, bis zu epischen Fantasywelten reicht die Palette. Wer allerdings vorhat, sich regelmäßig mehrere Stunden beim Zocken um die Ohren zu schlagen, sollte sich die Anschaffung eines Gaming-Handys überlegen. Ein normales Smartphone kann auf Dauer unbequem werden, wenn es auch nur annähernd in die Richtung von Dauerspielen geht. Der im Guinness-Buch eingetragene Weltrekord auf dem Handy wird dabei von drei Österreichern und einem Deutschen gehalten. Ihr Team brachte es 2011 auf geschlagene 24 Stunden und zehn Minuten, die ohne Unterbrechung auf dem Handy gezockt wurde. Mit einem Spiel wie “Snake” und einem Mobiltelefon der ersten Generationen wäre das nicht möglich gewesen.